SchielbehandlungundSehschule

Die Schielbehandlung wird in an Augenkliniken und Augenarztpraxen angeschlossenen sogenannten Sehschulen bzw. Orthoptik-Abteilungen durchgeführt. Die Orthoptisten und Orthoptistinnen befassen sich mit der Diagnose und Therapie von funktionellen Störungen des  ein- und beidäugigen Sehens. Die Berufsausübung zielt insbesondere auf Kinder ab. Das Sehen entwickelt sich erst langsam nach der Geburt, muss also gewissermaßen erst „erlernt“ werden. Treten in dieser Entwicklungsphase innerhalb der ersten Lebensjahre Störungen (z.B. Schielen, Fehlsichtigkeit etc.) auf, so können sie unbehandelt zu nachhaltigen Störungen des Sehens führen, die später nicht mehr vollständig heilbar sind. In der frühen  Phase der Sehentwicklung kann deshalb aber auch gut einer funktionellen Sehbehinderung entgegengewirkt werden.

Nach genauer Diagnosestellung wird ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet und ggf. nach Brillenverordnung mit der Augenokklusion meist in Form bunter Augenpflaster begonnen.

Mit dem Begriff „Schieltherapie“ wird meist das Tragen von Augenpflastern bezeichnet. Diese werden auf das besser sehende Auge ganztägig oder für einige Stunden am Tag aufgeklebt, so dass das Gehirn nur den Seheindruck des schwächeren Auges verarbeiten kann. Da  Sehen in den ersten Lebensjahren  vom Gehirn „gelernt“ werden muss, wurde in den deutschsprachigen Ländern der Begriff „Sehschule“ geprägt. Mit apparativen Hilfen wurde versucht, die Sehschärfe und Bildverarbeitung des Gehirns zu verbessern. Inzwischen ist aber die in den Praxen und Kliniken ausgeführte apparative Therapie weitgehend von der ambulanten Pflaster- oder Schieltherapie mittels meist auch bunter Augenpflaster etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Der Begriff „Sehschule“ wird zunehmend von dem international gebräuchlichen Begriff „Orthoptik“ abgelöst.