Okklusionstherapie und Schule

Okklusionstherapie und Schule

Abkleben im Unterricht? Unsere Tipps.

Manchmal wird die einseitige Sehschwäche bei Kindern erst im letzten Kindergartenjahr entdeckt, beispielsweise wenn der umfangreiche Sehtest bei der Schuluntersuchung auffällig ist. Bei einer so späten Diagnose – also kurz vor der Einschulung – machen sich viele Eltern Gedanken: Können wir während der Unterrichtszeit abkleben? Kann mein Kind dem Unterricht noch folgen, wenn das besser sehende Auge abgeklebt ist? Wie sollen wir die erforderliche Abklebezeit zu Hause überhaupt einhalten, wenn unser Kind auf eine Ganztagsschule geht?

In der Schule ist auf einmal alles anders

Während sich das Pflasterkleben meist nach einer kurzen Gewöhnungsphase wunderbar in den Kita- und Kindergarten-Alltag integrieren lässt, sehen sich viele Familien bei Schuleintritt des Kindes vor einer Herausforderung. Denn in der Schule gelten andere Regeln als in der Kita und im Kindergarten. Auch der Tagesablauf ist ganz anders strukturiert. Allein daran muss sich ein Kind erst einmal gewöhnen. Hinzu kommt, der Unterricht erfordert die uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Es ist wichtig, dass Kinder sich voll und ganz auf den Unterrichtsstoff konzentrieren und die Schrift auf der Tafel und im Buch gut erkennen können.

Damit ein Kind dem Unterricht aufmerksam folgen kann, ist es zu Beginn einer Okklusionstherapie ggf. sinnvoll, auf das Abkleben während der Unterrichtszeit zu verzichten. Denn gerade am Anfang der Behandlung empfinden Kinder das Pflasterkleben oft noch als große Seheinschränkung. Das Gleiche gilt, wenn die Sehschärfe des schwächeren Auges unterhalb der Sehschärfe liegt, die ein Kind zum Erkennen von Buchstaben und Zahlen benötigt. Klebt man in diesem Fall das gesunde Auge ab, besteht die Gefahr, dass das Sehvermögen des schwächeren Auges nicht ausreicht, um Geschriebenes auf der Tafel oder im Schulbuch richtig sehen zu können.

Manche Eltern haben auch Sorge, dass das Pflastertragen in der Schule das soziale Miteinander negativ beeinflusst. In der Kita erhalten die kleinen Patienten oft noch Anerkennung für ihre fröhlich-bunten Pflaster. Was jedoch auf dem Pausenhof in der Schule passiert, kann nur begrenzt von Lehrern wahrgenommen und gesteuert werden.

Nach individuellen Lösungen suchen und im Austausch bleiben

Zunächst gilt: Es gibt immer einen Weg, die erforderliche Klebezeit einzuhalten, ohne das Kind schulisch zu beeinträchtigen. Hierbei ist es hilfreich, gemeinsam mit der behandelnden Orthoptistin und den Lehrern nach einer individuellen Lösung zu suchen, die zum Alltag des Kindes passt. Eine solche Lösung ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Wie stark ist die Sehschwäche des Kindes? Über welchen Zeitraum soll wie viele Stunden am Tag das Augenpflaster geklebt werden? Wie wohl fühlt sich das Kind mit den Augenpflastern und wie selbstbewusst ist es? Geht es in eine Ganztagsschule oder ist es nachmittags zu Hause? Gibt es während der Unterrichtszeit Freiarbeitsphasen, in denen das Kind abkleben kann? Wie aufgeschlossen ist das Lehrerteam?

Eltern sollten sich mit ihren Fragen und Sorgen am besten immer direkt an ihre behandelnde Orthoptistin wenden. Sie kennt sich aus und hat die nötige Erfahrung, verschiedene Konzepte vorzuschlagen und Tipps zu geben, wie die erforderliche Klebezeit bei einem Schulkind eingehalten werden kann. Reagiert man erst, wenn es bereits zu Problemen in der Schule gekommen ist, macht es die Situation – natürlich auch für das Kind – nur unnötig schwer. Neben der Orthoptistin hilft sicherlich auch die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer bei der Suche nach Abklebemöglichkeiten im Schulalltag.

Am wichtigsten ist, dass zwischen allen Beteiligten ein Austausch und gegenseitige Rückmeldungen stattfinden. So können alle gemeinsam die passende Lösung für den kleinen Patienten finden.

Abklebemöglichkeiten für Schulkinder

Eine Klebezeit von beispielsweise vier Stunden am Tag lässt sich nachmittags gut unterbringen, wenn das Kind mittags Schulschluss hat. Das Augenokklusionspflaster wird dann zu Hause bei den Hausaufgaben oder beim Spielen getragen. Geht ein Kind auf eine offene oder gebundene Ganztagsschule, kann nach Rücksprache mit den Lehrern zum Beispiel in einer Unterrichtseinheit abgeklebt werden, in der die Seheinschränkung weniger stört. Abhängig von der Sehschärfe ist das vielleicht beim Malen, Basteln oder während der Freiarbeit möglich. Die Nachmittagsbetreuung ist je nach Beschäftigung eine weitere Option, um die notwendigen Abklebezeiten zu erfüllen.

Wenn ein Kind während des Unterrichts oder auch in der Nachmittagsbetreuung abklebt, ist es sehr wichtig, dass die Augenpflaster bei der Mitnahme in die Schule gut vor Schmutz geschützt sind. Das Auge ist ein sehr sensibles Organ, das empfindlich auf Fremdkörper und Verunreinigung reagiert. Deshalb sind unsere ORTOPAD®-Augenpflaster auch hygienisch einzeln verpackt.

Unterstützung bei der Okklusionstherapie

Grundsätzlich gilt natürlich: Bei einer einseitigen Sehschwäche muss das schwächer sehende Auge gefordert und gefördert werden. Denn wird diese Beeinträchtigung nicht behandelt, kann es möglicherweise zu einer dauerhaften Sehstörung kommen, die im Erwachsenenalter nicht mehr korrigierbar ist. Um das regelmäßige Pflasterkleben kommt man bei einer Okklusionstherapie nicht herum. Auch der Erfolg der Behandlung ist maßgeblich davon abhängig. Nur Mut!

Schaut gern auch in unsere hilfreichen Motivationstipps für den Alltag und für kleine Pflasterverweigerer. Und hier findet ihr unsere kostenlosen ORTOPAD®-Motivationsposter sowie weitere tolle Motivationsartikel für eure tapferen Pflasterhelden.